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Artikel der Ausgabe Nr. 1

Der Patient im Zentrum

Bereits die Ägypter verwendeten alkoholische Getränke im Rahmen von Heilungs- und Beschwörungsriten oder konsumierten Alkohol zum Genuss. Aber Alkohol kann auch zu Sucht und Missbrauch führen. Rund 300’000 Menschen (ca. 5%) sind in der Schweiz alkoholabhängig oder zumindest stark alkoholgefährdet, davon zirka zwei Drittel Männer. Rund 20 Prozent der Bevölkerung haben einen problematischen Alkoholkonsum. Alkohol gehört mittlerweile zu den fünf wichtigsten Krankheitsfaktoren und verursacht in der Schweiz 9 Prozent der gesamten Krankheitslast sowie soziale Kosten von zirka 6.5 Milliarden CHF aufgrund von Arbeitsausfällen, Unfällen oder Arbeitslosigkeit. Nicht jeder Alkoholkonsum führt zur Abhängigkeit oder ist bedenklich.

Ein abhängiger Alkoholkonsum ist krankhaft und wird definiert als starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren, der mit Kontrollverlust bezüglich Konsum, körperlichem Entzugssyndrom nach Beendigung des Konsums und Beeinträchtigungen in der Lebensführung einhergeht. Frauen haben im Verhältnis zum Körpergewicht durchschnittlich mehr Körperfett und weniger Körperwasser und sollten insgesamt weniger Alkohol trinken als Männer (Frauen täglich höchstens 10 bis 12 g* und Männer höchstens 20 bis 24 g* Alkohol).

Die Abstinenz – der vollständige Verzicht auf Alkohol als Getränk und im Essen – galt unter Experten lange Zeit als der «goldene Therapieweg». Denn man dachte, ein Weiterführen des Konsums sei nicht möglich. Erst seit wenigen Jahren verankert sich therapeutisch, dass eine nachhaltige Reduktion der Trinkmenge das gesundheitliche Risiko massgeblich verringert und für viele Betroffene auch realisierbar ist. Insgesamt hat es drei verschiedene Therapieansätze:

Reduktion: Weniger Alkohol zu konsumieren, ist das oberste Ziel bei der Reduktion des Alkoholkonsums. Die Therapie kann bei Einverständnis des Betroffenen medikamentös mit Opioid-Antagonisten begleitet werden. Opioid-Antagonisten heben die Effekte von Opioiden auf, weil die alkoholbedingte Dopaminausschüttung teilweise durch Stimulation der Opioidrezeptoren vermittelt wird. Und Alkohol wirkt über diese Dopaminfreisetzung als Belohnungsreiz, der das Konsumverhalten unterstützt.

Kontrolliertes Trinken: Die Alkoholmenge wird festgelegt, auch an wie vielen Tagen in der Woche getrunken wird. Zentral ist das Erlernen von Fähigkeiten, um den Konsum kontrollieren zu können. Deshalb sind psychotherapeutische Interventionen wie kognitive Verhaltenstherapie oder/und therapeutische Begleitung wichtig.

Abstinenz: Auf Alkoholkonsum wird verzichtet. Der Patient entscheidet über diesen Schritt.

Therapeutisch sind viele Überschneidungen möglich. Der Betroffene kann beispielsweise von einer Phase der Abstinenz übergehen in eine Phase des reduzierten Trinkens oder umgekehrt.

* 1 Glas Wein = 1 Standarddrink, entspricht zirka 10 g reinem Alkohol
Quelle zu den verschiedenen Therapieansätzen: www.fosumas.ch

Was ist schädlicher Konsum?
Ab wann ist man alkoholabhängig?

Unterschieden wird zwischen 

  • einem risikoarmen Konsum: Frauen sollten täglich höchstens 10 bis 12 g* und Männer höchstens 20 bis 24 g* Alkohol konsumieren
  • einem problematischen Konsum: durch das Konsumieren von Alkohol wird die eigene Gesundheit oder diejenige anderer Personen gefährdet 
  • einem regelmässigen, risikoreichen (schädlichen) Konsum von mehr als 2 bis 4 Standarddrinks* pro Tag
  • einem risikoreichen, exzessiven Konsum von mehr als 6 Standarddrinks* pro Trink­gelegenheit
  • einem abhängigen Alkoholkonsum: ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren, der mit Kontrollverlust bezüglich Konsum, körperlichem Entzugssyndrom nach Beendigung des Konsums und Beeinträchtigungen in der Lebensführung einhergeht
Sind 2 Gläser bereits zu viel?

Gute Gründe, Alkohol zu trinken, finden sich immer. Denn wer schätzt nicht das kühle Bier nach einem anstrengenden Arbeitstag, das Cüpli zur Feier des Tages oder die ein, zwei Gläser Wein in geselliger Runde mit Freunden oder mit der Familie ?

Für ein geringes Gesundheitsrisiko: 
max. 4/2 Standarddrinks* pro Tag + 2 Tage ohne Alkohol pro Woche

Konsumieren Sie regelmässig über dieser Menge sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Download Risikoklassen und Trinkkalender (PDF)