← zur Startseite
Artikel der Ausgabe Nr. 1

Depression
Es kann jeden treffen

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Etwa 20% der Schweizer erkranken irgendwann im Leben an einer Depression, Frauen häufiger als Männer.1 Zur Behandlung stehen psychotherapeutische und medikamentöse Methoden zur Verfügung, die auf individueller Basis optimal kombiniert werden sollten. Das Ziel muss die Heilung sein, d.h. die vollständige Symptomfreiheit. Oftmals bleiben aber noch Restsymptome bestehen, die sich über längere Zeit halten können, wie z.B. Schlafstörungen, mangelnde Energie und kognitive Einschränkungen (Konzentrationsstörungen, verlangsamtes Denken, Gedächtnisstörungen).2

Restsymptome erschweren den Alltag und die Arbeitsfähigkeit
Es ist verständlich, dass kognitive Einschränkungen auch als Restsymptome nach dem Abklingen der Depression den Alltag erschweren, sei dies im Haushalt oder bei der Arbeit. Obwohl Konzentrationsstörungen, Entscheidungsschwierigkeiten und verlangsamtes Denken zur Diagnose der Depression beitragen, werden sie im Praxisalltag wenig beachtet. Dabei treten sie häufig auf: In einer Studie bewerteten über 70% der Patienten Konzentrationsstörungen als grosse Einschränkung. Kognitive Störungen bedeuten eine weniger gute Prognose für eine Remission (Heilung) und ein erhöhtes Rückfallrisiko.2

Neben persönlichem Leid haben Depressionen enorme ökonomische Konsequenzen. Dazu zählen direkte Kosten wie Arztkosten, Medikamente oder gar die Einweisung in eine Klinik. Hinzu kommen indirekte Kosten in noch grösserem Ausmass durch krankheitsbedingte Abwesenheiten von der Arbeit oder anderen sozialen Funktionen. Allgemein steigen die Kosten mit dem Schweregrad der Depression. Bei den behandlungswürdigen Depressionen (ca. 6.1% der Bevölkerung – ca. 312’000 Personen pro Jahr) ergeben sich gemäss einer Studie aus der Schweiz jährliche Gesamtkosten von knapp 10 Milliarden Franken.3

1. OBSAN Bericht 56, 2013: Depressionen in der Schweizer Bevölkerung.
2. Papakostas GI. Cognitive Symptoms in Patients With Major Depressive Disorder and Their Implications for Clinical Practice. J Clin Psychiatry 2014; 75(1):8–14.
3. Tomonaga Y et al. The Economic Burden of -Depression in Switzerland. PharmacoEconomics 2013; 31:237–250.

Regeneration braucht Zeit

Unbehandelte, langandauernde Depressionen verursachen eine Schädigung von Hirnstrukturen durch chronisch erhöhte Stresshormone. Es sind Hirnstrukturen betroffen, die an emo­tio­nalen und kognitiven Prozessen (Aufmerksamkeit, Lernen) beteiligt sind. Medikamentöse antidepressive Behandlungen führen zu einer Regeneration der Hirnstrukturen wobei ­«Narben» bestehen bleiben. Es erstaunt nicht, dass Regenerationsprozesse aus der Depression viel Zeit beanspruchen.